Spielzeug für das Handgelenk

Egal ob beim Schreiben am PC, beim Sport oder unter der Dusche: Armbanduhren stören häufig nur noch als dass sie mir nützen. Zumindest für mich sind sie nur nerviges Anhängsel oder Schmuck geworden. Das war nicht immer der Fall, im Gegenteil, früher war ich verrückt nach ihnen. Edelstahlgehäuse, möglichst analoge Anzeige mit Kalendertag und Stoppuhr. Da durfte eine Armbanduhr auch schon mal mehrere hundert Euro kosten.

Alles änderte sich mit dem ersten Smartphone. Plötzlich hatte ich alle notwendigen Informationen, und noch viel mehr, in der Hosentasche. Die Armbanduhr wurde mit der Zeit nur noch lästig und verschwand. Umso skeptischer war ich bei Vorstellung der ersten Smartwatch Modelle. Optisch meist nicht schöner als eine alte Casio Uhr, klobig und viel zu kurze Akkulaufzeiten.

Außerdem stört es mich absolut nicht, bei jeder Benachrichtigung das Smartphone aus der Tasche zu holen. Andererseits finde ich einen Schritt- und Pulsmesser nicht gerade unpraktisch. Als ich dann von Google Fit erfahren habe, war für mich klar dass ein Fitnessarmband die Lösung sein könnte.  Im Vergleich zu einer Smartwatch mit eher schwachem Funktionsumfang, dafür günstiger und mit besserer Akkulaufzeit. Darüber hinaus fallen Fitnesstracker am Handgelenk nicht allzu sehr auf und sind in der Regel kleiner.

Mein erster Gedanke war ein Pulsmesser der Rund um die Uhr meine Herzfrequenz aufzeichnet. Aus den Daten könnte ich eine Auswertung darüber anstellen um wie viel Uhr mein Puls durchschnittlich am höchsten ist, und was für Maßnahmen zum Ankämpfen dagegen helfen. Auf langer Sicht praktisch eine Optimierung der eigenen Vitalfunktionen und vielleicht sogar ein Effizienzgewinn!

Leider zu schön um wahr zu sein. Die Fitnesstrackern mit Pulsmesser sind eher enttäuschend. Möchte man nicht zu viel ausgeben ist gegenwärtig ein Armband von Garmin oder POLAR eine gute Wahl, einen Pulsmesser ist dann separat als Brustgürtel erhältlich. Bei anderen Anbietern ist der Pulsmesser zwar am Handgelenk angebracht, verlangt zur Messung aber dass man den Finger drauf hält.

Das war keine zufriedenstellende Lösung für mich, also erstmal auf den Schrittzähler konzentrieren. Und da ich ansonsten keine größeren Ansprüche mehr hatte, entschied ich mich für das Sony SmartBand SWR10. Preislich einer der günstigsten Anbieter, laut diversen Testberichten ein akzeptabler Schrittzähler mit einem großen Nachteil. Es wäre nicht Sony wenn nicht irgendetwas unnötig kompliziert gelöst worden wäre. So ist das SmartBand nur mit den offiziellen Apps von Sony kompatibel, ein ungutes Gefühl wenn man sich mal mit der für Sony typischen PC und Android Software auseinandersetzen musste.

Ich habe mich trotzdem für das Smartband entschieden und war in vielerlei Hinsicht überrascht. Einerseits wirkt die Verpackung sehr hochwertig, andererseits ist neben einer Garantiebibel und einem Beipackzettel keine richtige Anleitung mitgeliefert. Es hat mich zudem schon sehr gewundert dass man das SmartBand erst einmal initial einschalten muss damit es aufgeladen werden kann. Viel merkwürdiger finde ich, ist die Tatsache dass Sony dem Anwender komplett verschweigt dass das SWR10 auch ganz ohne NFC Chip im Smartphone funktioniert, selbst wenn die notwendige Android App manchmal gegenteiliges vermuten lassen.

Als Testgerät standen mir das LG Nexus 5 und das Motorola Moto G zur Verfügung. Das Nexus 5 besitzt einen NFC Scanner, entsprechend einfach war die Einrichtung. Einfach das Smartband direkt an das Smartphone halten und es öffnet sich sofort der PlayStore mit den notwendigen Apps.

Benötigt werden zwei Apps:

Smart Connect für die Synchronisation zwischen SmartBand und Smartphone

Lifelog für die Auswertung der gesammelten Daten (z.B. Schritte am Tag)

Danach fehlt nur noch eine Erweiterung für Smart Connect mit der das Smartband überhaupt erkannt wird. Noch komplizierter hätte man es wirklich nicht mehr machen können.

Sobald die notwendigen Apps installiert sind muss noch ein SEN Account angelegt werden. Zwar schlägt die Lifelog eine Verknüpfung mit zum Beispiel dem Google Account vor, jedoch war in meinem Fall trotzdem ein SEN Account notwendig. Nachdem man sich erfolgreich in Lifelog angemeldet hat, kommen noch allgemeine Fragen über das Alter, Größe und Gewicht. Aus den Daten werden dann vermutlich die verbrauchten Kalorien ermittelt.

 

Wenn man auch diese Hürde überwunden hat, fehlt nur noch die Synchronisation zwischen Smartphone und Smartband mit Smart Connect. Dies kann man über den NFC Chip im Smartband und aktivierten Bluetooth erledigen, die Verbindung wird dann über die Bluetoothverbindung aufrechterhalten. Smart Connect warnt zudem explizit wenn keine Synchronisation über NFC hergestellt werden konnte.

Was leider nicht erwähnt wird ist dass das Smartband auch ganz ohne NFC synchronisiert werden kann. Dazu aktiviert man Bluetooth, koppelt das Smartband über das entsprechende Einstellungsmenü in Android und drückt einmal kurz den Knopf auf dem Smartband.

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Smart Connect

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Erweiterte Einstellungen von Smart Connect

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Lifelog

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Damit ist das Einrichtungschaos überwunden und es kann endlich an den Feinheiten gewerkelt werden. So lässt sich zum Beispiel über Smart Connect ein Auto-Nachtmodus aktivieren, damit lege ich meine Schlafzeiten/Ruhephasen fest. Der Nachtmodus kann natürlich auch manuell über das Smartband gestartet werden. In der Regel sollte das Gerät aber automatisch erkennen ob man gerade schläft oder etwas anderes macht.

Eine weitere schöne Funktion ist ein Vibrationsmotor im Smartband, welches zum Beispiel bei bestimmten Benachrichtigungen oder einem Anruf vibriert. Sehr praktisch sofern man gerade in einem Meeting ist und das Smartphone auf lautlos gestellt hat, oder aufgrund des Lärms und man die Nachricht sonst weder hört noch spürt. Darüber hinaus bietet Smart Connect eine Weckfunktion und einen Alarm falls man sich außer Reichweite des Smartphones bewegen sollte.

Inzwischen habe ich das Sony Smartband SWR10 etwa zwei Wochen, Tag und Nacht, im Einsatz. Im Bezug auf die Sicherheitsvorrichtungen bei Sony und der Sammelwut der NSA, sollte inzwischen mein Tagesablauf in mehrfacher Hinsicht für die Nachwelt gesichert worden. Den ursprünglichen Gedanken für den Kauf (Schrittzähler!) verfolge ich kaum noch, interessanter finde ich den Vibrationsmotor für eingehende Benachrichtigungen oder Telefonate. Außerdem lasse ich mich inzwischen fast täglich von dem Smartband wecken, was ich angenehmer finde als von einem lauten Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Mein Interesse in Gadgets für das Handgelenk ist jetzt jedenfalls geweckt, und vielleicht folgt doch irgendwann mal dem Smartband eine smarte Uhr. In dem Fall aber bitte keine von Sony.